Ein E(r)fahrungsbericht

Wie ist das eigentlich mit einem Elektroauto? Die einen mosern, die andern schwärmen. Reichweite, Verbrauch, Kosten – Man hört viel aber am Ende weiß keiner so genau wie es einem ergeht mit der Elektromobilität. Es sei denn, man hat es selbst erlebt.
Wir lassen Sie teilhaben, auch wenn Sie (noch) kein Elektroauto fahren. Denn Patrick, unser CEO of Product, gewährt Einblicke in 24 Monate Opel Ampera-e. Ehrlich und ungeschönt…

„Nach 20 Monaten habe ich mit gut 53.000km an zurückgelegter Strecke im vollelektrischen Ampera-e, die Erde mehr als einmal umrundet. Welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe? Hier mein Fazit:

Der Sprung ins kalte Wasser

Nachdem ich beruflich zunehmend immer mehr mit Elektromobilität zu tun hatte, war für mich klar: ein Elektroauto muss her. Auch, weil ich als Vorbild vorangehen wollte. Ein Tesla wäre das Traumauto gewesen aber nicht erschwinglich. Ein Händler empfahl mir den Opel Ampera-e – ein Auto im Format eines Golfs.
Zuerst dachte ich der will mich auf den Arm nehmen. Wie soll das als Familienvater von 3 Kindern gehen? Selbst mit oberen Mittelklasse Kombis ist das ein schwieriges, wenn nicht sogar aussichtsloses, Unterfangen.
Er ermunterte mich die Türen mal aufzumachen und reinzuschauen. Sofort fiel mein Blick auf die Rückbank und siehe da – die war ausreichend geräumig und konnte dank des durchdachten Abstandes der Gurtschlösser auch 3 Kinder gut aufnehmen.
Ermutigt nahm ich auf dem Fahrersitz Platz und war von dem Raumangebot völlig überrascht: viel Beinfreiheit vorne, hinten und zwischen den Sitzen. So sieht also ein reines e-Mobil aus: Außen ein Kleinwagen – innen ein gestandenes Mittelklasse Auto. Das machte erstmal Mut.

 

 

Kurzum habe ich mich für den Opel Ampera-e als neuen Dienstwagen entschieden. Mit leicht mulmigem Gefühl, da mir nicht klar war, wieviele Einschränkungen ich mir deshalb aus reinem Idealismus ins Leben holen würde. Die Ladeleistung von 7,2 kW habe ich anfangs erst noch als beinahe No-go gesehen. 11 kW – 22 kW sollten es schon sein. Diese Angst hat sich als völlig unbegründet erwiesen, denn 4 – 7 kW AC Ladeleistung reichen im Alltag, während der Arbeit oder zuhause über Nacht fast immer aus – zum Glück.

Vom ersten Beschnuppern zur Langstreckenfahrt

Die Kinder konnten den Liefertermin kaum erwarten und haben das Auto vom ersten Kilometer an geliebt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden ist enorm. Speziell der unverzügliche Antritt beim Durchtreten des Gaspedals. Die Kinder jauchzten bei jedem Kick-Down und forderten das Anreissen immer wieder ein.
Als ich meinen Schwager das erste Mal zu einer Spritztour mitnahm, fuhr ich zunächst durch eine Ortschaft (ohne Anreissen). Als wir dem Ortsausgang näher kamen, wies mich mein 5 Jahre alter Sohnemann aus dem Kindersitz an: „Papa, Du weißt genau was jetzt zu tun ist….“ – Auch mein Schwager war sofort begeistert.

Die ersten Langstrecken habe ich, noch etwas nervös, während des Winters gemacht. Diese gingen von Nürnberg nach Frankfurt, Mannheim und im Sommer dann sogar bis nach Cottbus. Alle Fahrten waren problemlos und stressfrei, da ich nicht mehr wie früher mit 200km/h auf der linken Spur, sondern mit 120 km/h und Tempomat sehr entspannt gereist bin. Ein Elektroauto schont also nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven des Fahrers. Die Fahrten nach Frankfurt und Mannheim waren ohne Ladestopp problemlos möglich. Nach Cottbus war nur ein kurzer Stopp am Schnelllader nötig.

Bei der Reiseplanung sind Apps, wie chargEV hilfreiche Begleiter. So weiß man genau, wo Schnelllader entlang der Strecke liegen und wer diese Betreibt. Meistens ist ein Imbiss in der Nähe und die 30-40 Minuten Ladezeit sind kein Problem. Wir hätten sowieso eine Essenspause eingelegt.

Auch wenn es nicht zwingend nötig ist, haben sich im Winter Decken und Handschuhe als wahre „Range Extender“ bewährt, um Reichweite zu gewinnen.

 

Fahrgefühl? Anders – kann was!

Das schönste beim Fahren eines E-Autos ist das sogenannte Einpedalfahren. Dank der Rekuperation** kann das Auto mehr oder weniger nur mit dem Gaspedal gefahren werden: nach unten drücken – Auto beschleunigt. Fuß anheben – Auto bremst und füllt die Batterie auf. Das Bremspedal wird eigentlich kaum noch benötigt. Dementsprechend sehen die Bremsscheiben nach über 40.000 km noch wie neu aus.

Wenn ich jetzt einen Benziner fahre, fühlt es sich unangemessen und nach Sicherheitsrisiko an. Denn der Verbrenner schiebt nach vorne, obwohl man den Fuß vom Pedal genommen hat. Es wirkt, als fahre man mit veralteter Technologie. Die ganze Schalterei und das Motorbrummen empfinde ich mittlerweile als ziemlich störend und überflüssig.

Als Elektroauto Fahrer habe ich schnell gelernt, dass in der Stadt Vorsicht geboten ist. Fußgänger hören einen auf Parkplätzen nicht so gut. Ebenso Radfahrer, die mit wirklich viel Abstand überholt werden sollten.

Der Fahrspaß meines eMobils ist immer noch ungebrochen. Das Anreissen ist ein Riesenspaß und das Durchzugsvermögen in  4,5 Sekunden von 80 auf 120 ist ein Sicherheitspolster auf der Autobahnauffahrt und der Landstraße. Schon nach kurzer Zeit war mir klar, dass dies die Technologie der Zukunft ist. Vor allem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, aber auch wegen des Fahrspaßes. Ich will eigentlich nie mehr einen Verbrenner fahren, wozu auch?

 

 

Gedanken zur Technik

Der Ampera-e ist in vielen Punkten richtig gut gelungen und komplett alltagstauglich – wie man Autos gewohnt ist – kein Unterschied und keine Einschränkungen.

Nach 30.000 km war der erste Kundendienst fällig. Der kostete nur 124 €. Über die 16 € für die „Inspektion Korrosionsschutz“ amüsiere ich mich noch heute. Ich stelle mir einen Lehrling vor, der 3 mal ums Auto laufen muss, um etwaige Roststellen zu finden…. Sonst gibt es anscheinend nicht viel zu tun…

Der Ampera-e kann bis zu 70 kW rekuperieren**, dies erwies sich in der Praxis als wichtiger Hebel, um den Durchschnittsverbrauch zu minimieren und so die Reichweite zu erhöhen. Auf der Landstraße reichen die 70kW gut aus, um bei einer sportlichen Fahrweise die Kurven komplett anzubremsen. Die Batteriegröße allein ist es also nicht. Im Alltag ist es dann die Energieeffizienz des Antriebstrangs und damit der Durchschnittsverbrauch. Ebenso wird die Batteriegröße durch Ladeleistungen von um die 200 kW weniger wichtig.

Ein kleiner Punkt den Komfort betreffend wären aus meiner Sicht: Eine DC-Ladgeschwindigkeit von 150 bis 200 kW, damit der Stopp auf der Autobahn zukünftig nur noch 10-15 Minuten dauert – einmal Toilette und ein Cafe2go ….

Und was ist mit der Ladeinfrastruktur?

Ladeinfrastruktur steht derzeit bereits flächendeckend zur Verfügung und Elektroautos parken auf vielen öffentlichen Parkplätzen die ersten Stunden umsonst. Oft finden sich direkt an zentralen Standorten spezielle e-Parkplätze. Da kann man neben Besorgungen gleich noch das Auto laden – außer es steht wieder ein Verbrenner drauf. Was ziemlich ärgerlich ist. Die Möglichkeit, bei meinem Arbeitgeber während der Arbeit zu laden, nimmt außerdem sehr viel Stress aus dem Alltag.“

 

* WLTP: Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (weltweit einheitliches Leichtfahrzeug-Testverfahren)
**Rekuperation: Rückgewinnung der Bremsenergie

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